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Michael We.

MORTON FELDMAN: Early Piano Pieces

Bloßlegung des Tons


MORTON FELDMAN: Early Piano Pieces
Genre: Neue Musik
Verlag: Wergo


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Der aus Kiew stammende US-Komponist MORTON FELDMAN (1926 bis 1987) war zeitlebens befreundet mit einigen Malern des Abstrakten Expressionismus; sie beeinflussten sein Verständnis von Komposition. Parallel zur starken Bedeutung der Farbe ging es FELDMAN in seinen Stücken um die Töne selbst, den Klang in Zeit und Raum, und nicht um die Summe der Töne als Gesamtkomposition. FELDMAN gilt als einer der Pioniere der grafischen Notation und hatte wesentlichen Anteil an der Entwicklung von JOHN CAGE. Bei einem Treffen mit CAGE und dem Maler PHILIP GUSTON schrieb FELDMAN sein erstes Stück in grafischer Notation. Kurze Zeit später kehrte er allerdings wieder zur traditionellen Notenschreibung zurück, ohne jedoch sein Ziel der Reduzierung auf das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. So löste er in seinen Stücken – gleichwohl traditionell festgehalten – Begriffe wie 'Takt' und 'Rhythmus' völlig auf. Das Doppelalbum "Early Piano Pieces" hält nun genau diese Stücke fest, die in klassischer Notation entstandenen Klavierwerke. Interpretiert werden sie von der Münchenerin SABINE LIEBNER, einer der wichtigsten Pianistinnen für Neue Musik, die wir als CAGE-Kennerin schon öfter vorgestellt haben (NONPOP-Interview).

Einzelne Töne, einzelne Akkorde stehen im Raum wie permanente Kontrapunkte: hoch und tief, leise und laut, lang und kurz. Das ist kein klassisches Hören, keine Melodie, sondern Bloßlegen des einzelnen Tons, teilweise auch mit sekundenlanger Stille davor und danach. Eine Verbindung zur expressiven Malerei ist durchaus spürbar, allerdings sind die "Early Piano Works" beileibe nicht so wild wie andere Experimente der Neuen Musik, auch leichter 'bekömmlich' als manches CAGE-Werk. Leise und fein springt aus den ersten Stücken nur ab und zu ein klirrender Akkord. Ansonsten rieseln und fallen die Töne wie Vorhänge. Spätere Stücke arbeiten auch mit perlenden Aneinanderreihungen, Teile der "Nature Pieces" wirken gar impressionistisch, klingen nach DEBUSSY oder RAVEL, dann folgt wieder eine Reihe spartanischer, minimaler Kompositionen.
Die zweite CD überrascht mit einigen fast jazzig anmutenden Passagen, macht insgesamt einen noch ernsteren, ja melancholischen Eindruck und arbeitet auf das Finale hin, das 30minütige, ganz einfach "Piano" betitelte Schlussstück von 1977, welches noch einmal alle Elemente vereint.

Eine wichtige Etappe der Neuen Musik, von SABINE LIEBNER gewohnt behutsam und intensiv in Szene gesetzt. Mit standardisierten Hörgewohnheiten ist diesem Album schwer beizukommen, hier hilft nur: auf sich wirken lassen, wie ein abstraktes Gemälde. Dann kommt auch die Schönheit ...

 
Michael We. für nonpop.de


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