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Roy L.

MARISSA NADLER: Diamond Heart

blue is the way to green


MARISSA NADLER: Diamond Heart
Genre: Shoegaze
Verlag: Peacefrog


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MARISSA NADLER ist längst kein Geheimtipp aus der wilden "New Weird America"-Szene mehr. Ihr drittes Album „Songs III: Bird On The Water“ wird dank PEACEFROG in kurzer Zeit über diverse europäische Ladentische wandern und dann wohl auch virtuell zu bestaunen sein. NONPOP-Kollege Daniel V. hat uns die bezaubernde junge Folkdame aus den Staaten bereits gründlich vorgestellt, was mir weitere einleitende Worte erspart.
Mit „Diamond Heart“ und „Dying Breed“ wurden vor wenigen Tagen die ersten beiden Stücke des neuen Longplayers als 7-Zoll-Single und Maxi-CD veröffentlicht. Vinyljunkies und NADLERfreaks wissen es aber natürlich besser und wenden zurecht ein, dass „Diamond Heart“ schon im vergangenen Herbst mit der B-Seite „Leather Made Shoes“ auf 7-Zoll gepresst wurde. Die Tonqualität der über MY KUNG FU erschienenen Platte war damals jedoch wirklich grauenhaft, prasselnd und nahezu unzumutbar. Der vorliegende Teaser zeigt sich daher gleichzeitig als gelungene Wiedergutmachung und nicht vollständig essentielle Kommerzaktion eines typischen Pseudo-Independentlabels. Schön allerdings, dass man in Sachen Layout etwas origineller war und den matten Kartoncover mit großem Mittelloch für das Plattenlabel ausgestattet hat. So sieht man wenigstens, wann der Vogel im Nest hockt und wann er flügge ist und dann hoffentlich dort landet, wo er hingehört -- 
Auf dem Plattenteller windet sich ein verträumt poetischer Song auf direktem Wege durchs Wohnzimmer. Mit dem nymphenhaftesten aller Engelsstimmchen säuselt Marissa ihre whiskyschwere Ballade dahin, die so sehr von dunkelschwarzer Tristesse durchsetzt ist, dass die Leichtigkeit des Gesangs wie ein übermenschliches Wunder wirken muss. Ein bisschen aber auch wie der frühmorgendliche Schluck Kaffee aus dessen Bodensatz noch Überreste der letzten Nacht zu schmecken sind, derweil sich das Küchenfenster mit einer nicht sehr erheiternden Anzahl von Regentropfen benetzt. Den richtigen, echten Stich durchs Herz versetzt dann aber erst JESSE SPARHAWKs vor Gänsehaut bebende Mandoline in diesem sinnlich-melancholischen Gipfelkehrreim. SPARHAWK, das muss an dieser Stelle noch erwähnt werden, nimmt für die Folkszene in Philadelphia übrigens zur Zeit eine ähnliche Rolle ein, wie JOHN MURPHY das jahrelang für den Neofolk/Industrial-Kosmos getan hat. Als wahrer Multiinstrumentalist hat er für nahezu jedes einschlägige Projekt an der Ostküste, sei es FERN KNIGHT, GREG WEEKS, ORION RIGEL DOMISSE oder TIMESBOLD schon mal an den Saiten gezupft, ein echtes eigenes Werk ist zwar seit langer Zeit in Planung, wird jedoch zugunsten der Zusammenarbeit mit anderen Künstlern immer wieder hintangestellt.
Bei der Begutachtung der B-Seiten beider Singlevarianten kommt „Leather Made Shoes“ ein wenig besser weg, aber das liegt vor allem an GREG WEEKS' subtil subversiven Orgelattacken, die so schön nach archetypischem britischen Acidfolk klingen und MARISSAs epischem Gesang ein wenig LINDA THOMPSON- oder ANNE BRIGGS-Flair verleihen. „Dying Breed“ ist davon abgesehen richtig gute Songwriterarbeit. Hier schwingt etwas mehr Country und Americana in den Akkorden und diese endlos verführerische Stimme hüpft behände von Silbe zu Silbe, färbt ein paar Worte mit  bitterem Liebesschmerz und streift dann wieder auf sanfteren Schwingen durch die Lüfte. Wenn MARISSA NADLER nicht so gut mit ihren 12 Saiten umgehen könnte, wollte man meinen, dass A-Capella-Aufnahmen völlig genügen würden, um einen solchen Zauber zu synthetisieren. Die Herabkunft höherer Wesen auf die Erde ist hier schlichtweg evident und Punkt.


 
Roy L. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Marissa Nadler
» Marissa Nadler @ MySpace
» Peacefrog

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» M. NADLER: The Saga of Mayflower May

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» Neues Marissa Nadler Album!

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