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LUDWIG FAHRENKROG: Das goldene Tor

Ein deutscher Maler zwischen Jugendstil und Germanenglaube


LUDWIG FAHRENKROG: Das goldene Tor
Genre: Lebensreform
Verlag: Verlag...


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Claus M. Wolfschlag: Das goldene Tor. Ein deutscher Maler zwischen Jugendstil und Germanenglaube, Verlag Zeitenwende, Dresden 2006, 90 Seiten, ISBN 978-3934291393, 12,50 €.

„Die große Allschöpferin Natur kennt keine Moden. Sie macht keine Bocksprünge. Ihr Gang ist gemessen (…) Moden sind doch wie Freiheitsberaubungen – Polizeivorschriften – Uniformierungen – langweilig.“

Mit diesen Worten skizzierte LUDWIG FAHRENKROG (1867-1952) nach dem großen Weltenbrand 1949 in seinem Buch „Kunst“ sein „künstlerisches Glaubensbekenntnis“ (Untertitel). Seine Worte hätten nicht treffender gewählt sein können, bewegte sich der dichtende Maler doch zeitlos und -lebens im Spannungsfeld zwischen Kunst und Glaube. Der Journalist Claus M. Wolfschlag porträtiert in seinem jüngst erschienenen Buch „Das goldene Tor“ einen umstrittenen Künstler, der heutzutage mehr als Gründer der Germanischen Glaubensgemeinschaft (GGG) denn als Künstler bekannt ist. Der Eigenanspruch ist hoch, will der Autor doch nicht nur „eine Annäherung an das Bildwerk LUDWIG FAHRENKROGs ermöglichen“, sondern auch „eine wissenschaftliche Lücke in der kunstgeschichtlichen Literatur schließen.“

Das Buch untergliedert sich in zwei große Teile. Im ersten beschäftigt sich Wolfschlag umfassend mit der Biographie des Bild- und Wortschöpfers, um im zweiten Teil auf einige ausgewählte und in s/w-Darstellungen abgebildete Motive oder Werke einzugehen. Der biographische Hintergrund und die Komposition der Bilder werden beleuchtet und anschließend gedeutet. Es folgt ein umfangreicher Fußapparat, der dem wissenschaftlichen Anspruch vollkommen gerecht wird, wenn er auch subjektiver und deutender als der Hauptteil ausgefallen ist. Zum Abschluß folgen ein Interview mit der FAHRENKROG-Enkelin Erika Steinbeck, drei Gedichte des Künstlers („Da ich ein Kind war“, „Vom Vergehn und Auferstehn“ und „Deine Tat bist du“), einige Farbtafeln und das Literaturverzeichnis.

FAHRENKROG wuchs in einem lutherischen Elternhaus auf. Nach der Schule begann er eine Lehre zum Dekorationsmaler, die erworbenen Fähigkeiten erweiterte er später auch akademisch. 1893 wurde ihm der preußische Große Staatspreis verliehen, welcher ihm die Möglichkeit einer einjährigen Stipendienreise nach Rom bescherte. Statt sich dort mit antiken Studien zu beschäftigen, widmete er sich lieber der Landschaftsmalerei. 1901 löste er mit der Darstellung eines bartlosen Jesus („Jesus predigend“) einen Skandal aus. FAHRENKROG hatte inzwischen seinen eigenen Stil gefunden und war Teil des „völkischen Symbolismus“ (u.a. Fidus, Franz Stassen, Hermann Hendrich) geworden. Wolfschlag präferiert die Einordnung FAHRENKROGs in die Stilkunde oder Lebensreform-Bewegung, da er in der bisher üblichen Kategorisierung eine „politisch verengende Benennung“ sieht. In Folge gelang es dem Maler, sich aus den Fesseln des Christentums zu befreien, deren Irrlehre er als lebensfeindlich erkannte. Das hinderte ihn freilich nie daran, den Gottes-Begriff als Synonym für das Einssein mit der Natur und den Weg zur Selbstvergöttlichung in sein Werk zu integrieren und Zeit seines Lebens nach Gott zu suchen – auch dies Ausdruck seiner Zeit. Sein erstes naturreligiöses Werk ist dann fast folgerichtig 1905 ein Abbild Baldurs, „Baldur segnet die Fluren“, und in Form und Symbolik seinen Jesusbildnissen nicht unähnlich. Daß beispielsweise auch Motive aus dem hellenistischen Heidentum und dem Buddhismus in sein Werk einfließen, zeugt vom universalen Ansatz FAHRENKROGs.

Wolfschlag geht aber auch auf die Schattenseiten des Künstlers ein. Nicht immer vermochte dieser, sich anti-semitischer Ressentiments zu entziehen. Die Tatsache, daß er trotzdem auch Juden zu seinem Freundeskreis zählte, zeigt die Zerrissenheit FAHRENKROGs und seiner Epoche. Auch zum aufkommenden Nationalsozialismus hatte er, wie Wolfschlag anschaulich erläutert, ein gespaltenes Verhältnis: Nach anfänglicher Begeisterung für die Bewegung stieß er schnell auf Ablehnung. Seine Behauptung, niemals mit dem Nationalsozialismus paktiert zu haben, wurde jüngst vom in Wolfschlags Buch zitierten Daniel Junker widerlegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog sich FAHRENKROG ins Private zurück, große Werke fertigte er nicht mehr an. 1949 veröffentlichte er sein eingangs erwähntes Buch „Kunst. Mein künstlerisches Glaubensbekenntnis“, das durchaus als Verteidigungsschrift zu lesen ist. FAHRENKROGs Enkelin Erika Steinbeck porträtiert ihren Großvater am Ende des Interviews folgendermaßen: „LUDWIG FAHRENKROG war ein Suchender, der sein Suchen und Finden freimütig mitgeteilt hatte. Dadurch hat er sich auch angreifbar gemacht.“ Der Leser muß unweigerlich an Tacitus’ Charakterisierung der Germanen denken: „Dieses Volk, ohne Falsch und Tadel, offenbart noch stets bei zwanglosem Anlaß die Geheimnisse des Herzens; so liegt denn aller Gesinnung unverhüllt und offen da.“ Die moderne und schnellebige Welt hat keinen Platz mehr für diesen naiven Schlag Mensch – ihre Größe und ihre Kunst bewegt sie indes immer noch.

Ein kompakter und spannender Überblick über Leben und Werk des Künstlers.


 
für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Verlag Zeitenwende
» Claus M. Wolfschlag
» Germanische Glaubensgemeinschaft


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