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Michael We.

KE/HIL: Zone 0

Zeitgenössischer Industrial aus der Stadt


KE/HIL: Zone 0
Genre: Industrial
Verlag: TESCO


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Sechster Track des Albums...

Das Geheimnis um die Zusammensetzung des Duos KE/HIL haben wir im Artikel zum Debüt ("Hellstation", 2011) schon ansatzweise gelüftet. "Zone 0", dem zweiten Album, liegt nun ein Ausschnitt des Mannheimer Stadtplans im 'industrial style' als Din A3-Poster bei, was die Überlegungen bestärkt, dass sich KE/HIL im Umfeld des dortigen TESCO-Labels aufhalten und aus Personal der einen oder anderen, starken TESCO-Band bestehen. Inzwischen tauchen sogar im Labeltext die beiden Pseudonyme B. MOLOCH und W. HERICH auf.
Unter anderem das "degenerated inner city life" soll die Musik symbolisieren, und das gesamte Werk ist provokativ mit "Music for the Prekariat" überschrieben, was sich auch in entsprechend ausgewählten O-Tönen innerhalb der Stücke widerspiegelt. Außerdem soll der erwähnte Faltplan dabei helfen, "to localise the striking places for the Prekariat."

Musikalisch gilt auch für "Zone 0" wie für "Hellstation", dass die Tracks weniger brutal wie Power Noise, Power Electronics oder klassischer Industrial klingen. Als Basis dienen häufig relativ ruhige, dennoch sehr bedrohliche Flächen, und insbesondere ein hörspielartiger, collagenhafter Charakter fällt dieses Mal auf.

Mit "Work Church Poverty" (01) steht ein langer Brocken (14:15) am Anfang, der mit fiesen Pfeif-Frequenzen und elektronischem Rattern wie aus einem Gewehr sehr rhythmisch wirkt. Zwischendurch branden mächtige Wellen aus Stimm- und Geräuschsamples auf, hier besonders einprägsam: die Aussage eines Schweißers über seinen Job ("Knochenarbeit"). Eine rezitierende, typisch industriell verfremdete Flüsterstimme darf nicht fehlen. Als sehr beeindruckend empfinde ich im zweiten Teil die opereske Gesangslinie, die von Wummern und Schreddern begleitet wird. "Passage" (02) vermittelt die schon angesprochene, ruhigere Atmosphäre, arbeitet mit Glockengeläut zum Einstieg und unterschwellig beängstigenden Drones – bedrohlicher Dark Ambient mit vielen Sounds und Stimmen. In "Bridges" (03) fällt der Collagencharakter auf, etwa durch atmosphärische Sounds wie Türklappen. Ein tieffrequentes Brummen gibt den Takt an; ein zurückhaltendes, aber sehr starkes Stück mit diversen Vocals. Die weiteren Stücke im Schnelldurchlauf: "Infirmity Anthem" (04) – rhythmischer Industrial Ambient mit noisigen Passagen, später mit zerrenden und eindringlichen Vocals. "Ghost Of Common Past" (05) – Angst Pop im Stile von GALAKTHORRÖ-Projekten. "Children Of The Devolution" (06) – eine programmatische Rede zu diversen spacigen Hintergrundsounds. Und "Lifebuster" (07) setzt zum Schluss einen weiteren Höhepunkt, bleibt spacig und weit. Durch entsprechende Bearbeitung der Klänge und Sprachsamples tönt das Stück, sehr wohltuend, wie aus einer anderen Zeit.

"Zone 0" macht durchaus einen städtischen Eindruck. Häufig treffen zwei (Lebens)Welten aufeinander, Mensch auf Maschine, Ästhetik auf Schmerz et cetera. Es tauchen für Industrial typische Elemente wie harsche Frequenzen, an- und abschwellende Sounds oder peitschende Geräusche auf, aber auch sehr Ungewohntes wie die zahllosen, ganz unterschiedlichen Stimmsamples bis hin zu Gesang. Phasenweise erinnert mich das an die Russen von POST SCRIPTVUM, die ebenso wie KE/HIL für das besonders organische Zusammenfügen von Bausteinen sowie für einen sehr atmosphärischen analogen Sound stehen. Starkes Album.

Der Stadtplan...

 
Michael We. für nonpop.de


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