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Michael We.

K. MEIZTER: Tetraphobia

... schwebt das Raumschiff, völlig schwerelos ...


K. MEIZTER: Tetraphobia
Genre: Ambient
Verlag: Old Europa Cafe


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1) Breathe out
2) Press play
3) Breathe in
4) Tetraphobia

Diese Anleitung gibt uns K. MEIZTER im ansonsten spartanischen Booklet. CDs mit Gebrauchsanweisung?!? Nun, in diesem Fall gar nicht abwegig, denn der Schwede umreißt damit die Haltung, die der Hörer einnehmen sollte: Es ist keine Vorarbeit nötig, lediglich eine Bereitschaft, für etwas mehr als eine Stunde lang alle äußeren Einflüsse zu verdrängen und sich mit der Musik fallen zu lassen.

MEIZTER dürfte vielen Lesern wohl als BEYOND SENSORY EXPERIENCE (oder BSE) bekannt sein, ein COLD MEAT-Projekt, welches er zusammen mit dem umtriebigen Landsmann JONAS ANEHEIM führt. BSE sind düsterer, aber vordergründig etwas weniger ausdrucksstark als das Solowerk des Herrn mit Pseudonym. Viele Songs setzen auf eine Tiefenwirkung, die sich erst bei starker Konzentration auf die Musik einstellt. Seit 2006 arbeitet MEIZTER auch alleine, und seine Musik ist, im Sinne der wortwörtlichen Übersetzung, wahrer Dark Ambient. Gemeint sind also nicht die halbindustriellen Landschaften, wie sie zu hunderten auf den Markt geworfen werden. Auf "Tetraphobia" findet sich vielmehr 'dunkler Ambient': langsame, zeitlupenhaft vorbeimäandernde Soundscapes von einer düsteren, mächtigen Schönheit. So wie Musik von VANGELIS, JARRE oder TANGERINE DREAM öffnen sie Türen in andere Dimensionen, verlieren allerdings nie ihren bedrohlichen Unterton.

Warme, wie Nebelschwaden über dem Boden hängende Keyboard-Drones sind die Basis von "Tetraphobia". Verschiedene Elemente tauchen aus diesem Drone-See immer wieder auf: Eine leise, tiefe und beruhigende Stimme, deren Satzfragmente beim normalen Hören – also ohne Schwerstarbeit unterm Kopfhörer zu leisten – nicht zu entschlüsseln sind. Ebenfalls auffällig sind die energetischen, rhythmischen Passagen, die ein Stück manchmal voranpeitschen können, die aber genauso schnell wieder in sich zusammenfallen und Musik sowie Hörer ihrer Trance überlassen. Ein Raumschiff, das sich aufs Nichts zubewegt, das die letzten Sterne, das letzte Licht verlässt. Ruhig, entschlossen und noch mit letzter Energie schimmernd – so fühlt sich dieses Album an. Für den Komponisten spricht, dass sich dabei nie Langeweile einstellt, da er im Rahmen dieser Stimmung viele 'Gimmicks' einfließen lässt.

Erstaunlich ist zum Beispiel, welche Assoziationen die oft endlos andauernden Drones hervorrufen können: Mal klingen sie nach Obertongesang, mal nach Didgeridoo ("Protoscience"). Rhythmische Beats tuckern wahlweise aus einer Drum Machine oder werden mit industriellen Röhren produziert. Dröhnende, religiös anmutende Gongschläge ("Samarkand") bewahren ebenso vor Lethargie wie ein monströses Schiffstuten ("Retroduction"). Eine besonders starke Anziehungskraft entfalten aber vor allem die durch den Raum treibenden Melodieansätze. Die neoklassischen Bläser oder Streicher entbehren zwar nicht einer gewissen Dramatik, bleiben aber stets leise im Hintergrund. Selbst gegen Ende, wenn sich ein Kratzen und Zerren in die Dunkelheit mischt, können diese Geräusche nichts ausrichten gegen die weit entfernten und herrlich apokalyptischen Bläserfragmente ("Projections" oder "Synkemina").

Tetraphobie ist übrigens die Angst vor der Zahl Vier, ein vor allem im asiatischen Raum verbreiteter Aberglaube, da das Wort für die Zahl dort ähnlich klingt wie das Wort für 'Tod'. Wenn der Tod allerdings so majestätische Dark Ambient-Musik im Gepäck hat, kann er kein arger Unsympath sein.


 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» MEIZTER @ myspace
» MEIZTER @ last.fm
» Promovideo für "Tetraphobia"


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