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Martin N.

JÄGERBLUT: 1896-1906

Brav sein!


JÄGERBLUT: 1896-1906
Genre: Experimental
Verlag: UMB Kollektif


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Kauzig, kauzig, was die bayerische Kapelle JÄGERBLUT auf ihrem Debüt „1896-1906“ so alles verbraten hat. Meine Befürchtungen, und das will ich doch gleich vorweg nehmen, es handle sich um einen langweiligen Sturmperchtabklatsch, haben sich glücklicherweise nicht erfüllt. Im Gegenteil. JÄGERBLUT servieren dem Hörer einen äußerst abenteuerlichen und vor allem einfallsreichen Experimentalmusiktrip, angereichert mit folkigen Einflüssen und einer großen Portion Heimatkinoflair.

JÄGERBLUT, das sind ANTON KNILPERT, GIUSEPPE TONAL, GENEVIÈVE PASQUIER und TIKKI NAGUAL. Die einzelnen Mitglieder haben sich bereits durch Projekte wie TONAL Y NAGUAL , GENEVIÈVE PASQUIER und THOROFON getobt. JÄGERBLUT bestehen schon ein Weilchen, genauer gesagt seit 1986 und änderten im Laufe der Zeit mehrmals die Besetzung. Auf einer im Jahre 1998 stattgefunden habenden Tour ließen die Herrschaften erstmals, als Vorband der Haudegen BLOOD AXIS, von sich hören. Jedoch hüllte man sich nach diesem Auftritt für längere Zeit in Schweigen. Erst durch die Splitveröffentlichung mit STURMPERCHT gelang es JÄGERBLUT, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu lenken. „Waldpracht“ lautet das mit Humpasounds gespickte Stück, mit dem JÄGERBLUT ihren Teil zur Kollaboration beisteuerten. Desweiteren ließ man es sich nicht nehmen, ein Beitrag für den „Mia Runa“-Sampler aus dem Jahre 2005 anzufertigen. Eigentlich wäre hiermit schon alles Nennenswerte über die Bandgeschichte erzählt, sodass ich nun getrost zum eigentlichen Anliegen, dem Album, übergehen kann.

Optisch hat „1896-1906“, das in einem schnieken Digipack daher kommt, Einiges zu bieten. Das umfangreiche Booklet enthält neben allerlei Texten eine abwechslungsreiche Bildergalerie, die insgesamt einen ziemlich grotesken Eindruck macht. Bringt man die Scheibe nun endlich mal zum Rotieren wird einem schnell bewusst, dass JÄGERBLUT mit „1896-1906“ nicht nur optisch, sondern auch musikalisch ein gewaltiges Trashgeschütz auffahren. Glücklicherweise haben sie bei mir eine Anlaufstelle gefunden, die dem Ganzen durchaus etwas abgewinnen kann. Nichtsdestotrotz bin ich überzeugt, dass dieses Album polarisieren wird. Auf „1896-1906“ dominiert eigentlich nicht das folkige Liedgut, wie der Song „Waldespracht“ vermuten ließe , sondern experimentelle, nicht leicht zugängliche Stücke. Einzigartig wirken diese vor allem durch die, größtenteils alten Heimatfilmen entnommenen Samples. Doch Halt! Auch einige Folkballaden erklingen zwischen diesem merkwürdigen Soundgebräu. Simple Gitarrenriffs begleiteten in Stücken wie „Hunting“ oder „Sankt Barbara, verloren im Walde“ männlichen und, wenn man sich textlich der guten Maria, die sich mal wieder im Dorngestrüpp verirrt hat, widmet, auch mal weiblichen Gesang. Sollte jetzt die Anhängerschaft des Jägerblutschen Humpasounds enttäuscht ihre Augen abwenden, so sei ihr gesagt, dass sie beim Zusammenstellen der Scheibe nicht vergessen wurden. Das rhythmische „Lichtmesz“ oder die Vertonung des Gedichtes „Torshengruen“, die gegen Ende der Platte erschallen, rufen das ursprüngliche Bild, dass sich der Hörer von JÄGERBLUT anhand der ersten Split konstruiert hat, wieder ins Leben.

Fazit:
Mit „1896-1906“ wird vor allem die experimentierfreudige Hörerschaft auf ihre Kosten kommen. Die abwechslungsreiche Songkonstellation lässt keine Langeweile aufkommen und bietet, wenn man ein Näschen für bayerischen Trash hat, durchweg kultige Unterhaltung. Wer ein gradliniges Folkerlebnis erwartet, wird enttäuscht. Dafür sind viele der Lieder einfach zu sperrig und vertrackt.


 
Martin N. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Myspace
» Bandhomepage

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» JÄGERBLUT: Tannöd


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