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Endsal

HEXAS: Liberty Nest

Mit vereinten Kräften für den maximalen Wumms!-Faktor


HEXAS: Liberty Nest
Genre: Post Industrial
Verlag: Hagshadow
Vertrieb: Hagshadow


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Es gibt so Kandidaten, die immer für eine Überraschung gut sind. Bei Szene-Grandseigneur PATRICK LEAGAS alias 6COMM, insbesondere in den letzten Jahren ohnehin einem kontinuierlichen künstlerischen Transformationsprozess unterliegend, ist das an und für sich nichts Neues, und doch lässt das, was da jetzt in Kollaboration mit seiner alten Kombattantin und Partnerin in crime GAYA DONADIO aka ANTIchildLEAGUE unter dem gemeinsamen nom de guerre HEXAS entstanden ist, aufhorchen, denn hier wird ein Terrain beackert, das man von den beiden in dieser Form bislang noch nicht kennt. Was an "Liberty Nest" demgemäß sofort auffällt, ist die extreme Fokussierung auf das rhythmische Element: das Album wird von Stück zu Stück grooviger, ja: streckenweise geradezu technoid, jedenfalls geht es durchwegs konsequent nach vorne los. Und dieser spontane Ersteindruck ist auch ganz im Sinne des Erfinders, denn die musikalische Agenda von HEXAS ist laut DONADIO, deren Soloprojekt ACL ja klar im PE-/Noise-Genre verortet ist, dezidiert auf eine Verschmelzung rhythmischer Beat- und harscher Noise-Elemente hin orientiert. Nun ist es kein Geheimnis, dass es nicht selten nach hinten losgeht, wenn Musiker aus dem Noise-/PE-/Industrial-Umfeld sich plötzlich berufen fühlen, ihr musikalisches Konzept genreübergreifend um mehr Tanzflächentauglichkeit qua Beats per Minute anzureichern. Als aus Pietätsgründen vertretbares, weil längst verjährtes Beispiel sei hier nur an das redundante EBM-Geboller erinnert, das der ansonsten über jeden Verdacht himmelhoch erhabene Dark-Ambient-Pantokrator BRIAN LUSTMORD gemeinsam mit seinem alten Kumpel ANDREW LAGOWSKI 1992 unter dem Namen TERROR AGAINST TERROR zusammengeschustert hat. Diese Klippen haben HEXAS ebenso stilsicher wie erfolgreich umschifft und setzen ihre Programmatik auf "Liberty Nest" absolut souverän um – entsprechend unverkrampft und erfrischend ist das Resultat geworden.


HEXAS:  GAYA DONADIO / ACL  &  PATRICK L / 6COMM

Der einführende Titeltrack "Liberty Nest" geht für die Verhältnisse des Albums noch als experimentellste, schrägste Nummer durch, doch schon "Reptilian Culture" fällt ungeachtet der durchaus vorhandenen noisigen Elemente deutlich rhythmischer und beinahe (beinahe!) tanzbar aus. Der Nachfolger "Helborn" ist ein modifiziertes Remake des ACL-Tracks "Born From Hell... Into Hell" vom 2014er-Album "The Son": wieder eine relativ bratzige Nummer, die neu abgemischt, mit klareren Vocals - von DONADIO und LEAGAS - ausgestattet und mit deutlich durchgängigeren, druckvolleren Beats unterlegt wurde als das Original. Allenfalls das anschließende "Art Demands War" kommt eventuell ein bisschen antiquiert daher und bleibt hinter den Zielvorgaben zurück: hier evozieren sowohl einzelne Samples als auch zum Einsatz kommende Soundsequenzen angestaubte Vintage-Anmutungen, während die vergleichsweise unterkomplexen, rumpeligen Beats vage an "schwarze" Stampftanzveranstaltungen der späten 90er-Jahre gemahnen. Doch bekanntlich entfaltet das wahrhaft Schöne erst vor dem Hintergrund kleinerer Abweichungen und Defizite seine volle Strahlkraft, und so folgt, wie zur Richtigstellung, mit "Beneath The Sun" der unbestrittene, ultimative Sahnehäubchenkracher der, mit knapp 25 Minuten Laufzeit angenehm kompakt gehaltenen, Mini-CD: nachgerade ein Ohrwurm, der mit knackigen technoiden Beatsequenzen bzw. ganz allgemein catchy Rhythmusstrukturen aufwartet und dabei GAYA DONADIOs Vocals genau so wunderbar fiese, grimmig und unterkühlt in Szene setzt, wie der ACL-Connaisseur das kennt und liebt. Schließlich und endlich ist auch der finale Track "Me And I" ein tanzflächentauglicher Straight-Forward-Klopper der Extraklasse, der mit seiner archaischen Wucht selbst abgeklärtere Semester zum mindesten in freudig erregtes Wippen versetzen dürfte.




Insbesondere als Mini-Album betrachtet nähert sich "Liberty Nest" Gefilden mittelschwerer Perfektion an, so kompakt, erfrischend, kurzweilig und in sich rundum stimmig kommen die sechs, über insgesamt 25 Minuten sich erstreckenden Nummern daher. Womit nicht etwa angedeutet werden sollte, man traue HEXAS kein "Vollzeitalbum" zu, keineswegs! Doch gerade dieses kompakte Format ist es, das die Angelegenheit so außergewöhnlich schmissig auf den Punkt bringt, zumal als Debüt: da kommt keinen Moment Langeweile auf und alles, was am Ende übrigbleibt, ist nicht mehr und nicht weniger als ein rundum guter Gesamteindruck. Die CD erscheint im schnieken schwarzen Hochglanzpappschuber und verzichtet auf weitschweifige konzeptuelle und programmatische Erläuterungen, weshalb's auch kein Booklet gibt. Ist aber auch überflüssig, denn "Liberty Nest" funktioniert einfach – und spricht so gesehen vollumfänglich für sich selbst.

 
Endsal für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» HEXAS @ blogspot
» HEXAS @ facebook
» HEXAS @ discogs
» HAGSHADOW-Homepage
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» HAGSHADOW @ facebook


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