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FRED BIGOT: La Viox De La Route


FRED BIGOT: La Viox De La Route
Genre: Feldaufnahmen
Verlag: Les Disques...


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Nein, es handelt sich hier nicht um den Bodybuilding-Superstar. Oder ja, vielleicht doch. Dieser Mensch ist wandlungsfähig. Mal kann man ihn auf der Bühne sehen, wie er als ELECTRONICAT in übersteuerter Discomanier seinem Publikum die Bässe um die Ohren wirft und dann ist er eben FRED BIGOT. Immer zwischen Performance und Noise, manchmal mit Anleihen aus dem Populärbereich, doch nie bequem oder, was seine Musik betrifft, vorhersag- oder festlegbar. Und auch so gar nicht scheinheilig – was sein Name ja vermuten lässt. Vielmehr jemand mit mehreren Gesichtern.
2011 machte sich nun besagter BIGOT auf, um quer durch die USA zu reisen. Finanziert wurde das Ganze vom Institut Français. Doch fuhr er nicht nur, sondern stellte wöchentliche Klangreportagen online. Man konnte eine Installation im Gaite Lyrique bestaunen, und schließlich gab es da noch eine Performance mit WERNER HIRSCH (manchmal auch ANTONIA BAEHR bzw. umgekehrt). Wandlungsfähigkeit scheint diesem Menschen (und nicht nur ihm) die Verwischung von Grenzen (auch der Identitäten) irgendwie Konzept zu sein.

Was nun seine Reise betrifft, ist die am 21.09. erschienene 10inch nach Installation, Performance und Klangreportage das vierte Ergebnis dieser. Bestehend aus fünf Titeln und doch etwas verwirrend.
Seite A besteht aus zwei, Seite B aus drei Titeln. Soweit, so gut – jedenfalls, bis die Platte umgedreht wird. Hier nämlich gibt es drei Titel, die B1 heißen. Und diese drei, sieht man nicht genau hin, machen auf dem Vinyl dann auch noch den Eindruck als wären sie ein Stück. Diese Täuschung nennt sich „Puzzle Record“ – ein Verfahren, das auf den Musiker JIMMY ROGERS, der erstmals Anfang der 1930er Jahre eine seine Platten so hat pressen lassen, zurückgeht. Drei Titel werden dabei zunächst eingespielt, dann aber nicht wie üblich hintereinander, sondern nebeneinander auf die Schallplatte gebracht. So erhält man eine dreifache Rille. Und da liegt der Trick. Es ist nämlich meist Zufall, in welche dieser drei die Nadel rutscht, d.h. welchen der Titel man zu hören bekommt. Schließlich liegen die Rillen nah beieinander. Der Wehrmutstropfen dabei ist, dass, weil eine Dreifachrille eben dreimal so breit wie eine einzelne ist, die Titel doch recht kurz sein müssen. Zum Vergleich, bei BIGOT passen nur etwa zweieinhalb Minuten auf die 10inch.
Eine Besonderheit und Rarität. Die Wiederbelebung einer technischen Möglichkeit, die wohl wegen des Mehraufwandes bei der Produktion, des damit verbundenen höheren Kaufpreises und deshalb eher überschaubaren Käuferschicht nie in Serie ging und schließlich verschwand.

Was nun das Musikalische betrifft, so hören wir als erstes einen treibenden Rhythmus, eine aufblitzende Gitarre und Stimmfragmente. Ja, das erste Stück scheint bestens für eine Autofahrt über Land geeignet zu sein. Der Drum-Machine geschuldet, hat man dann auch sofort den Eindruck, ins Jahr 1979 zurück katapultiert worden zu sein. Das passt auch zum darauf folgenden zweiten Stück der A-Seite. Hier nämlich glaubt man die verzerrte Anfangssequenz des Kraftwerk-Klassikers „Autobahn“ zu hören. Was gibt es besseres und treffenderes für eine Reise ... Seite B nun besteht aus den besagten drei Titeln, die alle drei der erste sind. Hier hören wir Collagenhaftes, Feldaufnahmen. Zikaden, Blechklappern, eine Stimme, einen Sound, der an eine Sirene erinnert und schließlich das Knattern eines Motors, der zu einem Fahrzeug gehört, das grad im Begriff ist, loszufahren. Rille zwei beginnt mit einem tiefen Brummen und einer Stimme, die mehrmals Amerika sagt bzw. singend spricht. Dies wiederholt sich dann etwa zweieinhalb Minuten lang. Und das letzte B1-Stück besteht dann aus größtenteils verfremdeten Stimmen ...

Wir hören hier die Bilder einer Reise, einer Reise, die aus Augenblicken und Eindrücken besteht und von FRED BIGOT in eins gesetzt wurden – ein musikalisches Fotoalbum.


 
awk für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Homepage von FRED BIGOT
» Label-Homepage


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