Die Seite wird geladen... einen Moment bitte.

Eichendorff Liedersammlung CD

Gelungene Ehrung für einen großen Dichter.


Eichendorff Liedersammlung CD
Genre: Neofolk
Verlag: nolteX
Vertrieb: nolteX


Schrift vergrößern Schrift verkleinern



Als eine Art musikalisches Hörbuch könnte man die vorliegende Zusammenstellung aus dem Hause nolteX betrachten, handelt es sich doch um genau 13 Vertonungen von Gedichten von Joseph Freiherr von Eichendorffs. Ohne Zweifel war er einer der wichtigsten Schriftsteller und Dichter der deutschen Romantik. Und so legt die CD Zeugnis davon ab, daß von Eichendorffs Werke noch immer eine immense Strahlkraft haben und diese nicht verlieren werden.
Insgesamt ergeben fast alle Lieder eine runde Zusammenstellung, wenn sie auch in Qualität und Anspruch manchmal voneinander abweichen. Daher möchte ich im folgenden jedes Stück einzeln vorstellen.
SONNENTAU beginnen mit "Wünschelrute", welches ein sehr schönes Intro ist und wesentlich besser als ihre Debüt-10inch produziert ist. Ein perfekter Beginn.
Reine Klavierstücke kennen wir ja schon von ORPLID, welches bei "Abendlich rauscht schon der Wald" ein Synonym für Claudia Arndt ist. Instrumental, dafür aber mit einer packenden Melodie. Sehr schön.
Als dritte im Bunde bieten auch FORSETI nichts Neues. Sie sind sich treu geblieben und das auf gewohnt hohem Niveau. "Im Abendrot" ist ein ruhiges Lied, welches durchaus auch auf "Erde" oder "Windzeit" hätte veröffentlicht werden können – Freunde der Band werden nicht enttäuscht.
Hätte ich bei BARDITUS nicht ständig das Gefühl, daß der Sänger Andreas Arndt seine Stimme verstellt um betont pathetisch und düster zu klingen, wäre ich mit "Zwielicht" rundum zufrieden, denn musikalisch ist es eine hervorragende Umsetzung des Gedichtes. Doch auch so ist es eines der Höhepunkte der Zusammenstellung.
Mit ELISABETH CHRISTIANE SCHÖNFELD beginnt der Reigen der ausgebildeten Frauenstimmen. Nun bin ich in derlei musikalischen Sphären nicht wirklich bewandert, aber sobald hier die Stimme in die Höhen geht bin ich genervt. "In der Fremde" bleibt mir daher fremd, das ist Musik für das Abendprogramm des Deutschlandfunks – nicht die meine.
Klassischen Neofolk – wie sollte es auch anders sein – bieten SONNE HAGAL. "Nachts" ist eines der wenigen deutschen Lieder der Band. Das ich vor allem das gelungene Ende – eine nach „Bandsalat" klingende Gitarre – gut finde soll heißen, daß es sich im Großen und Ganzen um ein unspektakuläres Lied handelt. Gitarre und Gesang wirken etwas unsicher.
Der Solobeitrag von FRANK MACHAU, der ebenfalls unter dem Synonym ORPLID läuft, ist der erste Ausbruch aus der bisher zumeist neufolkloristischen und klassischen Zusammenstellung und kann in diesem Sinne durchaus als extrem gewertet werden. "Dort in den moosumrankten Klüften" ist ein kompakter und kraftvoller Popsong, der dort beginnt, wo einst die "Nächtlichen Jünger" endeten. Er gibt zudem eine Ahnung von dem ab, was wir von FRANK MACHAU dieses Jahr noch erwarten können: sein Soloalbum (Eis & Licht) und das nächste ORPLID Album (Auerbach Tonträger). Unwahrscheinlich vielschichtig sind mittlerweile die Klänge mit denen er arbeitet, eine leicht schmalzige Sangeskunst konnte man ihm noch nie absprechen und ich bin nahezu glücklich mit diesem Lied. Einzig die konsequent durchlaufenden Bassdrum, welches wie ein Dauerfeuer unter meinen Kopfhörern wirkt, empfinde ich als leichte, wenn wohl auch gewollte Störung. Bei soviel Harmonie und natürlichem Minimalismus muß eben auch einmal jemand querschießen.
"Die Nachtblume" ist die zweite VON EICHENDORFF Interpretation durch das Ensemble von SONNENTAU. Musikalisch und gesanglich perfekt, habe ich für dieses Stück einige Zeit gebraucht um damit richtig warm zu werden. Mittlerweile ist es für mich einer der Höhepunkte der Zusammenstellung. Nadine Spindlers Gesang ist wundervoll.
Dagegen gilt für "Mondnacht" von der Malerin ULRIKE HIRSCH der Spruch "Schuster, bleib bei deinen Leisten." Wenn dieses Lied mir aufgrund seiner 70er Folkeinflüsse musikalisch doch recht gut gefällt, so liegt der Gesang doch oft neben den Tönen.
Im September 2004 spielten BACKWORLD in Halle und im Vorprogramm trat die junge Band GRÜNLAND auf. Mit "In der Fremde" liegt nun ihre erste veröffentlichte Studioaufnahme vor, ein ordentlicher Start, der mit den sehr guten Liedern der Zusammenstellung noch nicht mithalten kann. Das liegt aber weniger an Komposition und Interpretation, als an der meiner Meinung nach schlechten Produktion. Drängt sich im ersten Teil die Geige etwas zu sehr in den Vordergrund, so ist es im zweiten Teil der Frauengesang, der recht einseitig betont wird. Das Lied mahnt, das akustische Musik unbedingt ein gutes Studio und einen fähigen Produzenten braucht.
Zornig klingt "Zorn" von KARL STÜLPNER, der wie ein rotziger versoffener alter Liedermacher röhrt. Aber er paßt perfekt und zeigt eine andere – ebenso existente – Seite des Dichters. Eine willkommene Lockerungsübung.
Ein neues Lieblingsstück von mir haben WALDTEUFEL mit "Durch!" komponiert. Akkordeon, Trommeln und der schräge Gesang von Markus Wolff fließen zusammen und stehen für das treibendste und schrulligste Lied der CD. Danke für diese Interpretation.
Ebenso aus dem Rahmen brechen EDAPHON mit "Der Abend", welches rein elektronisch ist. Zu verzerrten Klängen und schleppenden Rhythmen spricht eine ebenso verzerrte weibliche Stimme den Text des Gedichtes. Mir mißfällt dieser Abschluß, denn erstmals habe ich hier den Eindruck, der mich auch bei anderen Themenzusammenstellungen im Tonträgerbereich oft befällt: irgendeine unbekannte Band wird aus Werbezwecken mit durchgeschleift.

Fazit: Die "Eichendorff Liedersammlung" ist eine hochwertige Compilation geworden, die mitunter etwas zu streng nach Konzept arrangiert ist. Wer die sogenannte "Neue Deutsche Folklore" wie FORSETI mag und ein Faible für die deutsche Romantik und klassische Musik mitbringt, wird höchstwahrscheinlich begeistert sein.
Ob die Brüche von ORPLID (Frank Machau), WALDTEUFEL und EDAPHON jedoch für jenen genug Abwechslung bieten, dem zu große Ernsthaftigkeit, folkloristischer Minimalismus und ausgebildete Frauenstimmen eher abschrecken, kann ich nicht beurteilen.
Ich werde mir die CD auf jeden Fall noch des öfteren anhören – und dabei den einen oder anderen Titel einfach überspringen.

Stephan Pockrandt für Lichttaufe.com

 
für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» nolteX
» ORPLID
» Eichendorff bei Projekt Gutenberg
» Eichendorff bei Wikipeida


Anzeige:
Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln ausschließlich die Meinung des jeweiligen Verfassers bzw. Interviewpartners wieder. Nachdruck (auch auszugsweise) nur mit schriftlicher Genehmigung durch den Betreiber dieser Seite.
Link-Code zu diesem Artikel:
Wöchentliche Artikelübersicht per Mail
Werde NONPOP- Redakteur...
» Diesen Artikel bewerten
» Kommentar zum Artikel verfassen
NONPOP RADIO
Nonpop Radio starten:

Hier Popup
Werbung
 
eichendorff liedersammlung musikalisch zusammenstellung