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Michael We.

EMPYRIUM: Turn Of The Tides

Neue Zeiten, aber immer noch unverkennbar


EMPYRIUM: Turn Of The Tides
Genre: Neofolk
Verlag: Prophecy


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Über die Wiedervereinigung von EMPYRIUM haben wir immer wieder berichtet. Unter anderem aus Anlass des hervorragenden Livealbums "Into The Pantheon" (NONPOP-Besprechung), welches 2013 – mit dem ersten Liveauftritt der Band in ihrer Geschichte überhaupt – erschien. Gerüchte um ein neues Studioalbum existierten seitdem massig, und neben dem exklusiven Samplerbeitrag zu "Whom The Moon A Nightsong Sings" (2010, NONPOP-Besprechung) kam als Vorbote auf ein neues Album tatsächlich eine 1-Track-EP auf den Markt, die mit "Dead Winter Ways" ein weiteres neues EMPYRIUM-Stück erhielt.
Unter anderem der Erfolg von "Into The Pantheon" dürfte wohl dafür gesorgt haben, dass PROPHECY einige Zusatzprodukte veröffentlichte, wie zum Beispiel den kompletten Backkatalog von EMPYRIUM auf Vinyl in einer Holzbox. Aber nun ist endlich mit "The Turn Of The Tides" auch das lange angekündigte Studioalbum des Duos raus, das erste seit "Weiland" vor zwölf Jahren, welches neben den beiden oben erwähnten Tracks fünf komplett neue Stücke enthält. Erstaunlich: Obwohl die Instrumentierung recht umfangreich klingt und einige Songs dem Sound von "Into The Pantheon" ähneln, sind in den Credits für alle Instrumente nur MARKUS STOCK (alias ULF THEODOR SCHWADORF) und THOMAS HELM zu finden. Lediglich für das Artwork zeigt sich FURSY TEYSSIER (LES DISCRETS) verantwortlich.

Es wundert mich immer wieder, warum EMPYRIUM bis heute in Metal-Magazinen besprochen werden; eventuell wegen THE VISION BLEAK, dem Gothic Metal-Projekt von MARKUS STOCK. Auch das noch oft verwendete Genre Black Metal trifft längst nicht mehr zu, die Bewertungen für "Turn Of The Tides" sind manchmal dementsprechend ratlos. Beim ersten Hören fiel mir als Vergleich eine Mischung aus DEAD CAN DANCE und DEINE LAKAIEN ein, mit nur ganz wenigen, an Metal erinnernden Gitarrenpassagen.
Die beiden ersten Stücke sind ziemlich stellvertretend für den Rest: "Saviour" (01) bietet eine wunderschöne, traurige E-Gitarrenmelodie, dezente Begleitung durch Bass und Percussion und den über weite Strecken dominierenden, wehmütigen und tiefen Männergesang, oft operngleich. Zum einen klingt dieses Stück sehr schwelgerisch, zum anderen recht reduziert und – wie das gesamte Album – weniger rau als früher. Im zweiten Abschnitt werden lyrische Vocals rezitiert, untermalt im Hintergrund durch Silbengesang. Beim schon live gezeigten "Dead Winter Ways" (02) übernimmt das Klavier die Rolle der E-Gitarre, führt melancholisch durch die ersten Sekunden, dann legt das Stück aber mächtig zu mit Gongs und Streichern. Gegen den sehr gefühlvollen Gesang stehen lange Instrumentalabschnitte, hier mischen sich fast rein klassische Passagen mit Andeutungen einer Metal-Ballade. "In The Gutter Of This Spring" (03) erinnert mich zunehmend an DEAD CAN DANCE, nur sporadisch tauchen etwas härtere Abschnitte – auch mal mit dröhnender, nach modernem Black Metal klingender E-Gitarre – auf. Auch "The Days Before The Fall" (04) und "We Are Alone" (05) bleiben in ihrer Anmutung balladesk, bevor "With The Current Into Grey" (06) den Spieß umdreht und einen kräftigeren, metalleneren Sound den ganzen Song begleiten lässt. Der arienhafte Gesang wird untermalt von E-Gitarren, und umgekehrt zur bisherigen Entwicklung wird dieser Track zum Ende hin zarter. Mein Favorit ist das Abschluss- und Titelstück "The Turn Of The Tides" (07). Extrem langsam lässt es die Emotionen noch einmal richtig fließen, ein musikalisches Flüstern, später auch stimmlich.

Viele Details wurden schon erwähnt: EMPYRIUM sind 2014 weniger rau, weniger krächzend, weniger folkig – wer an den Klassiker "Schwäne Im Schilf" denkt, wird heute ruhigere, weichere Töne vorfinden, vielleicht nicht mehr so hörbar nah an der Natur. Ich mag diese Grundtraurigkeit, mit der sich EMPYRIUM bestimmten Emotionen hingeben, dieses Schwelgerische, und ebenso die Tenorstimme von THOMAS HELM. Eine "new creative phase", wie das Label schreibt, aber immer noch EMPYRIUM – Glückwunsch!

Die CD erscheint auch als Box mit Buch für rund 25 Euro...

 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» EMPYRIUM
» THE VISION BLEAK
» PROPHECY
» EMPYRIUM @ PROPHECY
» EMPYRIUM @ Wiki

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» VARIOUS: Whom The Moon A Nightsong Sings

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