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EA80 (Konzert-Bericht)

20 Mai 2017 im "Zukunft Am Ostkreuz" (Berlin)


EA80 (Konzert-Bericht)
Kategorie: Spezial
Wörter: 543


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Es gibt Konzerte, da fühlt man sich sofort irgendwie zuhause. Man kennt das. Da steigen die Musizierenden auf die Bühne und gleich geht es los. Ähnlich wie beim grad stattgefundenen EA80-Konzert im "Zukunft Am Ostkreuz" in Berlin – ein kleiner Laden um die Ecke mit Biergarten und Kneipe nebenan. Ein hübsches Örtchen. Schlauchraum und Bar. Die Musik beginnt, man schließt die Augen und es tauchen Bilder aus der eigenen Jugend aus dem Meer der Erinnerung auf.

Es wurden die Karten höchst gehandelt. Freunde erzählten von Einstiegspreisen bei ebay von 300 Euro. Doch was bekam man da dann zu hören dafür? Selbst dann noch EA80, würde ich sagen. Klassisches und Modernes – sie hatten ihr neues Album dabei: „Definitiv ja“. Das kannten wohl die Wenigsten. Und es wurde nicht sehr viel davon gespielt. Doch oder deswegen tat das der Sache keinen Abbruch. Das Schwarz der Fans war weithin im Biergarten zu sehen. Keine schwermütig traurigen Leute, vielmehr neue und Fans früher Tage, junge und alte, gesetzte und bewegte Leute. 12,50 Euro kostete die Karte.

Es gab dann aber erst eine Vorband. FEMME KRAWALL hieß die - eine 5köpfige Band mit zwei Sängerinnen, deren Gesang kreischend leider etwas unterging. Kaum jemand verstand, was und in welcher Sprache sie da sangen. Dazu hampelten die Damen auf der Bühne wild aber auch recht ziellos herum. Der Sound dazu war wenig ansprechend, so dass ich mich eher an der Bar aufhielt, das Ganze nach nur zehn Minuten nur noch beiläufig wahrnahm und schließlich komplett ignorierte. Dann aber betraten EA80 die Bühne. Leider gab es eine Ansage, die mir beinah die Stimmung verdarb. Da wurde nämlich von Dingen gesprochen, die nicht gemacht werden sollten – Rauchen zum Beispiel, oder Rangeln in den vorderen Reihen. Das schien mir dann doch fehl am Platz. Irgendwie erinnerte es mich auch ein wenig an MORRISEY, der, weil es auf einem Festival Fleisch-Burger gab, damit drohte, das Konzert abzubrechen. Und das ist dann so gar kein Punk. Doch das nahm ich der Band nicht sonderlich bzw. länger übel. Denn die Musik von EA80 weiß, wie sie mich einfängt. Sie weiß noch immer zu beeindrucken. Es wurden nämlich Stücke aus ihrem gesamten Schaffen vorgetragen. Und das ist, wie wir wissen, umfangreich. Laut, gewaltig, manchmal hymnisch und voller Pathos. Deshalb kam ich schließlich hierher. Und so hat mich die Band dann auch nicht enttäuscht.

Das Konzert also war – abgesehen vom eher mäßigen Sound, der sicher auch der lokalen Begebenheit geschuldet war und der in meinen Ohren furchtbar belanglosen Vorband – ein Abriss der alten und neuen, irgendwie immer grandiosen EA80. Das Timing perfekt, so gut wie keine Unsicherheiten – doch wie sollte das anders sein bei einer Band, die seit mehr als 35 Jahren auf den Bühnen steht. Und da flogen dann irgendwann doch noch Mikrofon-Ständer. Da wurden auch halbleere Bierflaschen aus Händen gerissen, und da waren die schwarzen Hemden bis auf die Haut durchgeschwitzt. Obwohl, mittendrin wurde – vielleicht war das der fehlenden Kondition der mittlerweile doch älteren Herren geschuldet – eine Pause eingelegt. Dennoch waren die zweimal etwa 45 Minuten sehr energetisch. Ja, selbst die Zugaben krachten. Und am Ende war da nur noch Katharsis, Klarheit und das Wissen, dass die Welt schon immer absurd war – warum auch sonst könnten wir sie ertragen.

 
awk für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Zukunft Am Ostkreuz


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