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DISTANT ANIMALS: Lines

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DISTANT ANIMALS: Lines
Genre: Drone
Verlag: Hallow Ground
Medium: Vinyl-LP + Download
Preis: ~19,00 €
Kaufen bei: Bandcamp


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DISTANT ANIMALS heißt die musikalische Ausdrucksform des DANIEL ALEXANDER HIGNELL, einem Video- und Performancekünstler aus Süd-England, dessen sozial orientierte Arbeitsweise, die zwischen Autonomie und Zusammenarbeit zirkuliert, mit der Zeit ein Netz entstehen ließ, das aus quer über Europa verstreuten Personen besteht. Da finden sich Theologen, Choreographen, Anwälte und politische Aktivisten. Alles recht akademisch.
Dazu passt, dass HIGNELL 2017 eine Doktorarbeit in Komposition fertig stellte, die die soziale Funktion von Kunst zum Thema hat. Und das Album „Lines“ stellt auf der Grundlage seiner 130 Seiten langen Arbeit nun eine erste musikalische Umsetzung der im Text gestellten Fragen dar. Darf man dem Pressetext glauben, sollen noch weitere Antworten folgen.

Die praktische Umsetzung erfolgte per Modular-Synthesizer. Es geht hier also um Schwingung und Rhythmus. Das musikalische Mittel heißt Drone. Ein nahezu spirituelles Erlebnis, das Zeit beinahe vollkommen zeitlos macht. Denn es dauert. Und dieses Dauern wird phrasiert.
Beeinflusst wurde HIGNELLs Arbeit von MORTON FELDMAN und MAURICIO KAGEL. Soll heißen, sie stehen hinter ihm, geben ihm Rückendeckung, sind sein theoretisches Feedback.

Langsam und anhaltend, fast stehend überdauern die zwei sich auf dem Album befindlichen Stücke. Das erste heißt dann auch dem musikalischen Genre gemäß „Pure Drone“. Ein von allen Dingen befreites Brummen. Nach und nach blendet es sich ein. Und steht dann. Lediglich einige von Schwingungen durchzogene Varianten des Brummens sind über die achtzehn Minuten zu hören. Kontemplativ, abfallend, eintauchend, sinkend und wieder etwas bewegt Richtung Ausgangston steigend. Darüber befinden sich aber auch noch weitere Flächen. Sie fächern das Ganze in Schichten. Diese bewegen sich gegeneinander. Rhythmische Dissonanz heißt hier der Begriff. Ohne ihn könnte man alles zusammengenommen nicht fassen. Vielschichtigkeit, die sich einzeln, also gegeneinander und im Verbund zu einem musikalischen Bienenschwarm formt. Es knarrt auch ein wenig. Doch das Knarren verschwindet irgendwann unmerklich wieder. Was bleibt ist das Brummen, das schwingt und dann zu Ende ist.
„Line Made By Walking“ (02) beginnt mit eben diesem Brummen. Doch schnell wird es von einer deutlich höher liegenden Fläche übertönt. Nach etwas mehr als einer Minute ist es zwar nicht verschwunden, aber es scheint ein anderes geworden zu sein. Es beginnt sich nämlich eine dritte Fläche aufzubauen. Die wabert sägend. Und dieses Sägen übernimmt. Dieses zweite Stück ist bewegter. Es knistert auch etwas. Und ein Grollen wie Donner kommt auf. Nach etwas mehr als fünf Minuten läuft alles in eine hohe Tonfolge über, die von einem Basslauf, der rhythmisch wieder mehr oder weniger gegenläufig ist, begleitet wird. Die Tonfolge kommt langsam ins Stocken. Das Bild räumt sich aus, und es bricht. Nach sieben Minuten ist nur noch ein Rauschen zu hören. Aber auch das bricht bald ab. Ein anderes Wabern und Brummen. Dazu vielschichtige chorale Stimmen und Glocken, die sich zeitweise wie Saiten eines Spinetts anhören. Vieles wird nun durch einen Verzerrer gezogen. Es kracht. Es klappern die Glocken. Und wieder bricht alles. Es hört sich nun nach einem Intermezzo zwischen Wanduhr und Funkgerät an. Dazu gesellt sich eine Art digitaler Sturm. Dazwischen immer wieder etwas Stille. Dann schlägt die Wanduhr. Einige Male, in unterschiedlichen Tonlagen. Ein paar Orgeltöne. Und zum Schluss zischt es ein weing.

Dieses Album ist eine Falle. Man kommt da schwer wieder raus. Zudem enthält es vier Postkarten von LAYLA TULLY. Jedes Postkarten-Pack ist individuell handgeprägt und nummeriert. Gemastert wurde „Lines“ von LAWRENCE ENGLISH.

 
awk für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» DISTANT ANIMALS auf Bandcamp
» Auszug aus "Lines" auf Soundcloud


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Zusammenfassung
Dieses Album ist eine Falle. Man kommt da schwer wieder raus.

Inhalt
1. Pure Drone (18:00)
2. Line Made By Walking (16:39)
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