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Tony F.

CLOSEDUNRUH: Nichts schmeckt

- doch alles schmeckt gut!


CLOSEDUNRUH: Nichts schmeckt
Genre: Minimal
Verlag: E-Klageto
Vertrieb: E-Klageto


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Die ewige Suche nach Musik aus den Nischen hat mich bereits im letzten Jahr zu CLOSEDUNRUH geführt. Das bereits seit 1980 aktive Projekt wurde von THOMAS TIER, der auch noch als Schlagzeuger bei diversen Punkbands spielt/spielte und das Projekt OHRGINAL betreibt, aus der Taufe gehoben. Bei seinen Aktivitäten wird er zusätzlich von diversen Mitmusikern unterstützt. Von 1980-2000 wurden lediglich Kassetten veröffentlicht, bevor es im neuen Jahrtausend auch die ersten Veröffentlichungen auf CD gab. 

Der Anlass, sich näher mit CLOSEDUNRUH zu beschäftigen, ist allerdings auf die neueste Veröffentlichung "Nichts schmeckt - doch alles schmeckt gut!". Zunächst sei aber gesagt, dass sich für denjenigen, der sich für den musikalischen Werdegang der Band interessiert, neben den sieben neuen Stücken auf Vinyl zusätzlich noch eine Bonus-CD mit Material von 1981-1995 findet. Diese CD eignet sich auch als perfekter Einstieg in die Klangwelt der Band. Der Sound von CLOSEDUNRUH basiert auf experimentellen Geräuschmontagen, minimaler Elektronik und eigenwilligem Gesang mit zum Teil recht skurrilen Texten, die deutlich den Geist der 80er Jahre atmen. Die Stücke auf der CD sind somit eine Mischung aus Klangexperimenten und Songs sowie zwei Live-Stücken. Gerade die Tapeexperimente aus den frühen 80ern sind mit einfachsten Mitteln hergestellt worden und bei dem einen oder anderen Stück verwundert es auch nicht, dass so etwas nicht offiziell veröffentlicht wurde. Daneben gibt es aber auch Stücke wie "Schraube", "Wechselwirkung" oder "Wie schön, dass wir Strom haben!", die durchaus mit etwas rauer 80er-Minimal-Ästhetik zu gefallen wissen bzw. richtig gut sind. 

Dermaßen musikalisch vorbereitet nähert man sich schließlich der eigentlichen Veröffentlichung, sprich der LP. Wenn man die Platte so durchhört, dann fällt einem auf, dass der Sound richtig professionell klingt und die reinen Klangexperimente zugunsten "richtiger" Stücke, übrigens durchweg mit Gesang, aufgegeben wurden. Gleich das erste Stück, "Nichts schmeckt", ist für mich auch gleich das beste des Albums. Minimale Strukturen in einem an die 80er Jahre angelehnten Breitwandsound, verbunden mit zwingenden Rhythmen und einprägsamen Melodiebögen sowie Gesang, haben mich beim ersten Hören sofort deutlich beeindruckt. Um es kurz zu sagen, es groovt! Das folgende "Kopfschmerzen im Knie" bezieht sich ganz klar auf DAF, wobei dieses langsam-schleppende Stück gegen Ende eine immer intensivere Atmosphäre aufbaut und ebenfalls zu den Höhepunkten der Platte gezählt werden darf. Bei - aus meiner Sicht - dem Ausreißer der Platte, "Sonnenuhr", bewegt man sich dann aber eher in moderneren, musikalisch seichteren Dancefloorgefilden. Jedenfalls läuft der Song ohne größere Vorkommnisse luftig und leicht so vor sich hin. 

Die zweite Seite hat dann zu Anfang mit "Stein aus Strom" aber wieder ein kaltes, mächtig groovendes Elektrostück zu bieten. "Bevor´s weh tut" ist eine opulente Mid-Tempo-Nummer, die mich etwas an den deutschen Elektro - vielleicht so ein bisschen THE INVINCIBLE SPIRIT - Anfang der 90er Jahre erinnert. Ebenfalls an die 90er Jahre denken lässt mich "Der Ermordete", wobei das ruhige, leicht schwülstige Stück eher in Richtung 90er Wave driftet, dem ich nicht allzu viel abgewinnen kann. Heraus reißt es dann nochmal das letzte Stück "Herz aus Kreuz", dass als recht krachiges Brett daherkommt und in seiner Art und Monotonie etwas an DIVE erinnert. 

"Nichts schmeckt - doch alles schmeckt gut!" ist eine ganz ordentliche Platte geworden, obwohl es auch ein-zwei Durchhänger gibt. Dennoch ist CLOSEDUNRUH damit ein Album gelungen, das angenehm abwechslungsreich ist und auch hier und da Hitpotential erkennen lässt. Die "Querschnitt 1981-1995"-CD bringt einem zudem das Gesamtphänomen noch etwas näher und hält noch drei-vier musikalische Perlen bereit.


 
Tony F. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Closedunruh


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