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Endsal

CHRISTINA VANTZOU: No. 2

Schön. Zum Niederknien schön.


CHRISTINA VANTZOU: No. 2
Genre: Modern Classic/Ambient
Verlag: Kranky
Vertrieb: Kranky
Erscheinungsdatum:
24. Februar 2014
Medium: CD / LP
Preis: ~15,00 €
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Man kennt CHRISTINA VANTZOU vor allem als eine Hälfte von THE DEAD TEXAN, jenem grandiosen Projekt, das sie zusammen mit ADAM BRYANBAUM WILTZIE von den Drone-Ambient-Göttern STARS OF THE LID leider viel zu kurz, nämlich lediglich für eine, mittlerweile stolze zehn Jahre alte und ebenfalls "The Dead Texan" betitelte CD/DVD betrieb. Hier machte die von Haus aus als Videokünstlerin aktive Kunsthochschulabsolventin ihre ersten publikumswirksamen musikalischen Schritte, war allerdings vor allen Dingen für die visuelle Dimension des Unternehmens zuständig, das sich ebenso explizit wie dezidiert als "audio visual project" verstand. Angeregt und inspiriert durch die fruchtbare Zusammenarbeit mit WILTZIE, den sie in Interviews gerne als ihren Mentor bezeichnet, tummelte sich die aus Kansas City stammende und mittlerweile – wie auch WILTZIE – in Brüssel lebende Künstlerin weiter im musikalischen Bereich und veröffentlichte 2011 ihr erstes, gänzlich unprätentiös "No. 1" betiteltes Album, das von der Kritik mit mittelschwerem Enthusiasmus aufgenommen wurde. Mit "No. 2" liegt nun – wer hätt's geahnt – der Nachfolger vor, präsentiert einmal mehr von dem, in Sachen Drone/Ambient seit Jahren zuverlässig für Ausnahmequalität bürgenden, Chicagoer KRANKY-Label.

Ebenso wie auf dem Vorgängeralbum und schon bei "The Dead Texan" kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, man lausche einem Filmsoundtrack – was bei einer Künstlerin, die eigentlich Filmemacherin ist, freilich kaum verwundern kann und zweifelsohne auch intendiert ist: Die Videoarbeiten, die CHRISTINA VANTZOU zu vielen ihrer Musikstücke gemacht hat, stützen diesen Eindruck nachhaltig, oft entstehen der akustische und der visuelle Teil auch quasi parallel. Im Gegensatz zu den Tracks des Vorgängeralbums, die primär mit Hilfe von Midi-Keyboard und Computer nebst entsprechender Software komponiert wurden, kamen bei den auf "No. 2" versammelten laut Labelauskunft noch Synthesizer und "a variety of unidentified samples that were manipulated beyond recognition" zum Einsatz. Anschließend wurden die Kompositionen von VANTZOU und MINNA CHOI, der Gründerin und Leiterin des in San Francisco ansässigen MAGIK*MAGIK ORCHESTRA, für ein 15-köpfiges, klassisch-traditionell instrumentiertes (diverse Streichinstrumente, Horn, Oboe, Fagott etc.) Ensemble umgeschrieben und neu arrangiert. Vier Monate nahm sich CHRISTINA VANTZOU dann noch einmal zum Abmischen Zeit, bevor sie das Material abschließend an ADAM WILTZIE weiterreichte, der den endgültigen Mix besorgte und auch als Produzent verantwortlich zeichnet. Man sieht: Hier geht jemand mit äußerster Akribie zu Werke und nimmt sich Zeit. ... Ach ja: drei Jahre hat Mrs. VANTZOU laut Auskunft ihrer Homepage an "No. 1" gearbeitet, und etwa genauso lange hat es jetzt noch einmal gedauert, bis das geduldig wartende Publikum endlich mit "No. 2" beglückt wurde.

Nun drängt sich freilich die Frage auf: Hat sich das Warten gelohnt? Kurze, bündige Antwort: Ja! Hat es. Und wie! Mehr als das, denn herausgekommen ist ein, ohne jede Übertreibung zum Niederknien wunderbares Stück Musik: warm, voll unendlicher Ruhe, durchzogen von sanfter Melancholie, ohne dabei jemals in depressive Gefilde abzugleiten. Diese Musik, stilistisch wohl am besten als ambientaffine Minimal-Neoklassik zu umschreiben, atmet Ruhe und Weite, hebt Zeit auf, gibt Raum frei, öffnet den Horizont – einfach traumhaft! Der Einfluss von ADAM WILTZIE ist freilichund das ist rundweg positiv zu verstehen nicht zu leugnen, und wenn man hört, wie die Streicher einen entspannten, vollen und doch wie einen morgendlichen See schimmernden Klangteppich weben, der vom tief-sonoren Brumm-Drone der Hornisten durchmessen wird, fühlt man sich mehr als einmal an STARS OF THE LID in ihren besten Momenten erinnert. Als weitere Vergleiche fallen ad hoc BRIAN ENOs "Ambient"-Werke und Epigonen moderner Klassik wie ARVO PÄRT ein, auch die frühen Veröffentlichungen von MATTHEW COOPERs grandiosem Projekt ELUVIUM schienen dem Rezensenten stilistisch und atmosphärisch nicht allzu weit entfernt. Doch der interessierte Leser mache sich anhand zweier Hörproben "Going Backwards to Recover What was Left Behind" und "Vancouver Island Quartet" einfach selbst ein Bild. Im Zusammenhang mit Mrs. VANTZOUs Arbeit ist in einschlägigen Besprechungen übrigens immer mal wieder von "Kammermusik" die Rede das mochte für "No. 1" mit 7 beteiligten Musikern noch angehen, für das von 15 Musikern eingespielte Album "No. 2" scheint es jedoch ein wenig kurz gegriffen.

Anfang 2012 äußerte CHRISTINA VANTZOU in einem Interview die Absicht, die Serie noch bis "No. 8" fortzusetzen: "I'm determined to get to 8. Then we'll see." Das macht Hoffnung auf weitere musikalische Kleinode dieses Kalibers. Traumhafte Aussichten!

 
Endsal für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» CHRISTINA VANTZOU-Homepage
» CHRISTINA VANTZOU @ bandcamp
» CHRISTINA VANTZOU @ soundcloud
» CHRISTINA VANTZOU @ youtube
» CHRISTINA VANTZOU @ discogs
» MAGIK*MAGIK ORCHESTRA - Homepage
» KRANKY-Homepage
» "No. 2" @ KRANKY/Brainwashed
» "No. 1" @ soundcloud
» CHRISTINA VANTZOU-Interview @ foxy digitalis
» CHRISTINA VANTZOU-Interview @ Fractured Air


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Zusammenfassung
Traumhaft schönes Ambient-Neoklassik-Opus der Künstlerin aus dem STARS OF THE LID-Umfeld: Musik, die Zeit und Raum aufhebt. Mit Nietzsche gesprochen: "Denn alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit" – "No. 2" nimmt den Hörer bei der Hand und führt ihn genau dorthin.

Inhalt
01: Anna Mae
02: Going Backwards To Recover That Which Was Left Behind
03: Brain Fog
04: Strange Symptoms
05: Vancouver Island
06: Sister
07: VHS
08: Arp
09: Little Darlin' Seize The Sun
10: Vostok
11: The Magic Of The Autodidact
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