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Michael We.

Angespielt: GUNNELPUMPERS, DEMIAN CLAV

und ELECTRIC SARAJEVO. Aktuelle Besprechungen in Kürze


Angespielt: GUNNELPUMPERS, DEMIAN CLAV
Kategorie: Spezial
Wörter: 650


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GUNNELPUMPERS: Montana Fix
ohne Label, Juni 2013, CD



Die GUNNELPUMPERS aus Chicago haben wir schon vorgestellt. Nun präsentieren die klassisch ausgebildeten Improvisationsmusiker in den kommenden Wochen ihr neues, viertes Album. Mittlerweile haben rund 50 Instrumentalisten – zwischen E-Gitarre und Flöte – das Kollektiv durchlaufen, welches pro Session aus fünf bis sieben Musikern besteht. 19 Stücke in zwei Tagen, die meisten davon live eingespielt und, wie der Albumtitel schon verrät, mit Bezug auf die eine oder andere weite, amerikanische Landschaft.
Gleich im ersten Stück fühlt sich der Hörer bei GUNNELPUMPERS zu Hause: ein pulsierender Bass, händische Percussion, Akkordeon und E-Gitarre. Schon dieses Intro steigert sich zu einem ganzen Orchester. Und bereits mit dem zweiten Track setzt die Abwechslung ein, die das ganze Album durchzieht: zum schleppenden Stoner-Rhythmus gniedelt eine orientalisch-proggige Gitarre. Dann folgt wieder reine Improvisationsmusik, Flöte und Trommel, ausufernd und meditativ. Höhepunkt ist ein rund zehnminütiges, handgemachtes Stück Dark Ambient.
Alles echt, erdig und rhythmisch. Wer Spaß an Instrumenten und ungewohnten Kombis hat, kommt hier auf seine Kosten. Von Streichern begleitete Stoner-Nummern, improvisierte Klassik, orientalische Folklore, alles rein instrumental. Eine irre Reise, aber sehr bekömmlich durch die Unterteilung in fast ausschließlich kürzere Stücke.

DEMIAN CLAV: Adrift
YAJNA EDITIONS, Mai 2013, CD



Vor zwei Jahren machten die Franzosen mit ihrem Konzeptalbum "Wisteria Lodge" – rund um SHERLOCK HOLMES – auf sich aufmerksam. Inzwischen zum Trio gewachsen – neben Sänger DOMINIQUE CLAVREUL und Cellist JEAN-CHARLES WINTREBERT gehört nun noch Bassist JEAN-YVES BRARD zu DEMIAN CLAV –, erscheint mit "Adrift" der Nachfolger. Zwar handelt es sich dieses Mal offenbar nicht um ein Konzeptalbum, dafür ist das insgesamt dritte Werk musikalisch wesentlich einheitlicher.
Mit klassischer Instrumentierung (Streicher, Klarinette, Klavier ...) gelingt eine sehr epische, dramatische Ausmalung. Die brüchige Singstimme bleibt zunächst beim Englischen, mit leicht französischem Akzent. Ganz so wild wie auf dem Vorgänger geht es nicht zu, aber für Abwechslung sorgen auch hier hörspielartige Tracks mit flüsternden, rezitierenden (und französischen) Stimmen, wozu Streicher rattern. Oder eine überraschende Rocknummer (wiederum auf Englisch) mit Bass und E-Gitarre. Überwiegend lässt sich "Adrift" aber der Neoklassik zuordnen.
MATT HOWDEN oder SOL INVICTUS, wenn die Geigen zu fragilem Gesang weinen; BABY DEE oder DIVINE COMEDY, wenn Harfen und Streicherläufe perlen – das sind mögliche Vergleiche. Sehr schwelgerisch und romantisch, nach wie vor geprägt von einer Verlorenheit, einer Verbindung zu vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten.

ELECTRIC SARAJEVO: Madrigals
ohne Label, Frühjahr 2013, CD



Puh, da tragen die vier Italiener von ELECTRIC SARAJEVO aber ganz schön dick auf. Im Flyer, der das in Eigenregie veröffentlichte Debüt "Madrigals" begleitet, ist die Rede von ganz großen Emotionen. Im Alter von ungefähr 13 Jahren wären die vier entsetzt darüber gewesen, wie brutal es auf der Welt zugeht, wie sich Menschen gegenseitig umbringen. So soll es auf diesem Album um eine Stadt gehen, die vom Krieg gebeutelt ist; das 'Sarajevo' im Bandnamen ist vermutlich ein dezenter Hinweis darauf. Egal, die überzeugende Musik hat so viel präsentierte Betroffenheit jedenfalls nicht nötig.
Zum Einstieg überraschen einige Gitarrenharmonien der BYRDS, gefolgt von allerlei frickeligen Sounds im Hintergrund, Stimmsamples und digitalem Knacken. Die angenehme, männliche und weiche Singstimme vermittelt einen grundtraurigen Eindruck. Dazu passen die deprimierenden Texte über Untergang und Verlorenheit. Die meisten Stücke lassen sich als wehmütiger Wavepop bezeichnen, basierend auf der Gitarre als Leadinstrument. Was den Gesang angeht, fallen mir ESCAPE WITH ROMEO oder THE CHURCH als Vergleich ein, die Gitarre klingt häufiger nach THE CURE. Allerdings finden sich auch einige rein synthetische, tuckernde Tracks. Wenn die Elektronik überwiegt (die auch sämtliche Percussion liefert), winken THE NOTWIST über den Zaun.
Ein Debüt, dem die Emotionalität anzuhören ist, auch ohne Begleitworte. Druckvolle, treibende Songs mit vielen Ideen, was die elektronischen Spielereien angeht. Lediglich die letzten zwei Songs schwächeln ein wenig. Gesamturteil: sehr sympathisch!

 
Michael We. für nonpop.de


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