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Endsal

ANEMONE TUBE: "In The Vortex Of ...

... Dionysian Reality" - Wunderbare Wiederkehr des Gleichen


ANEMONE TUBE:
Genre: Post Industrial
Verlag: Blossoming Fern
Erscheinungsdatum:
20. April 2017
Medium: CD & Download
Kaufen bei: TESCO Germany


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"Oh, wie schön, Neues vom Wahl-Berliner Post-Industrial-Projekt ANEMONE TUBE", wird jetzt der eine oder andere Leser denken – doch Obacht: "Neues" trifft den Punkt in diesem Falle nur bedingt, denn faktisch bekommt er es bei "In The Vortex Of Dionysian Realtity" mit einer remasterten Reissue des gleichnamigen Mini-Albums zu tun, das vor ca. anderthalb Jahren als, auf A- und B-Seite jeweils identisch bespieltes, C41-Tape auf dem ANEMONE-TUBE-eigenen Hauslabel THE EPICUREAN erschienen ist. Angereichert wird das ursprüngliche Programm durch zusätzliches Material von guten 25 Minuten Dauer, welches sich vom Sound her perfekt in die verträumt-noisige Gesamtgemengelage fügt, die der Rezensent seinerzeit an dieser Stelle bereits ausführlich geschildert und analysiert hat, weshalb zu inhaltlichen Fragen und insbesondere zu solchen des Hintergrundes hiermit weitgehend auf den entsprechenden Artikel verwiesen sei.


Ergänzenswert erscheint indes, dass sich die vorliegende Neufassung mit noch mehr Verve und Inbrunst auf die dronig-kontemplative Gangart einschießt als das Original von 2015, wofür insbesondere das neu hinzugefügte Material konstitutiv ist. Für diesen Gesamteindruck kann, um das Pferd zur Abwechslung einmal von hinten aufzuzäumen, insbesondere der in Kooperation mit dem ukrainischen Dark-Ambient-Projekt MONOCUBE entstandene und das Album abschließende Zehnminüter "Like The Streaming Of A Giant River Life Is Passing Without Ever Turning Around" als paradigmatisch gelten: hier wird der Hörer mit exzessivem Grundbrummen und -grollen nebst an- und abschwellendem Obertongesang beglückt, wobei es insbesondere die für das musikalische Schaffen von ANEMONE TUBE so symptomatischen Feedbackschleifen sind, die dem Track seinen speziellen Zauber verleihen – und den Rezensenten immer wieder so verflixt an das COCTEAU-TWINS-Debüt "Garlands" von 1982 erinnern. "Perpetual Dawn", nicht minder dronig, bezieht sein melancholisches Pathos aus den noch stärker im Vordergrund positionierten Feedback-Noiseloops, während "Suicidal Fantasy (Negation Of Myth II)" eine alternative Version des auf dem 2016er Album "Golden Temple" erschienenen "Negation Of Myth" darstellt; ebenfalls primär feedbackbasiert, fällt es insgesamt ein wenig tiefgelegter und noch moll-lastiger aus, doch das mag Empfindungssache sein – die Unterschiede zwischen beiden Tracks kamen dem Rezensenten wenigstens nicht allzu gravierend vor. Track No. 3, "Perfect Dream", kommt – der Titel legt's nahe – ganz besonders schwelgerisch, ja streckenweise geradezu hymnisch daher und illustriert so noch einmal eindrücklich, wie's zum Albumtitel kommt: Demjenigen Rezipienten, der mit dem frühen Nietzsche und seinen Ausführungen über das Wesen des Dionysischen auch nur halbwegs vertraut ist, sollte sich der tiefere (Hinter-)Sinn angesichts der hier zur Präsentation kommenden, überschäumend-perlenden Klangbäder jedenfalls von selbst erschließen.


ANEMONE TUBE @ "Epicurean Escapism II", Berlin 2013

Erschienen ist das gute Stück bei dem, bislang noch nicht mit anderen Veröffentlichungen in Erscheinung getretenen und in Kiew ansässigen Label BLOSSOMING FERN als CD im Digisleeve in einer auf 200 Stück limitierten Auflage. Das Fotomaterial, diesmal dem Thema angemessen auf wildwüchsige Natur fokussiert und laut Infotext durch die Bank in der Sächsischen Schweiz aufgenommen, geht ebenso auf Meister ANEMONE TUBE höchstselbst zurück, wie dieser auch ansonsten für das Gesamtdesign verantwortlich zeichnet. Über weitere Details zu Optik und Haptik muss sich die vorliegende Rezension mangels physischen Materials leider ausschweigen, geht man jedoch vom übermittelten Dateimaterial aus, so darf das geneigte Publikum wohl auf ein überdurchschnittlich ansprechendes Erzeugnis gefasst sein, wie man das aus dem Hause ANEMONE TUBE mittlerweile ja ohnehin gewohnt ist. Summa summarum bekommt der interessierte Hörer die rundum gelungene Neuauflage eines bereits in der Originalversion ziemlich betörenden Albums serviert, das stimmig mit zusätzlichem Material angereichert wurde, ohne indes dem Ursprungskonzept Gewalt anzutun – ganz im Gegenteil gewinnt dieses in der erweiterten Fassung noch zusätzlich an Kraft und Tiefe.

Um vor diesem Hintergrund und ganz im geschilderten Sinne das abschließende Wort Friedrich Nietzsche, dem Urheber oder, wenn man so will, "Entdecker" des dionysischen Prinzips, zu überlassen: "Unter dem Zauber des Dionysischen schliesst sich nicht nur der Bund zwischen Mensch und Mensch wieder zusammen: auch die entfremdete, feindliche oder unterjochte Natur feiert wieder ihr Versöhnungsfest mit ihrem verlorenen Sohne, dem Menschen." Was der olle "Herzensfritz" freilich zum vorliegenden Opus gesagt hätte –  nun, das muss dahingestellt bleiben, der Rezensent immerhin zögert nicht, eine klare Empfehlung auszusprechen: Glückwunsch, mal wieder alles richtig gemacht im Hause ANEMONE TUBE!


 
Endsal für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» ANEMONE TUBE-Homepage
» ANEMONE TUBE @ facebook
» ANEMONE TUBE @ bandcamp
» ANEMONE TUBE @ SoundCloud
» ANEMONE TUBE @ discogs
» BLOSSOMING FERN @ facebook
» BLOSSOMING FERN @ bandcamp
» "In The Vortex Of Dionysian Reality" @ bandcamp

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Zusammenfassung
Gelungene Neuauflage des 2015 im Tape-Format erschienenen Mini-Albums, angereichert durch zusätzliches Material von 25 Minuten Dauer, welches das ursprüngliche Konzept nicht entstellt, sondern vertieft. Kontemplative Feedback-Noise-Drone-Schwelgereien, die dem Titel alle Ehre machen!

Inhalt
01: In The Vortex Of Dionysian Reality (Nietzsche's Dream) / Le Pont du Diable (8:41)
02: Turm des Bösen (Die letzte Weisheit (3:15)
03: Perfect Dream (5:18)
04: Terror Of Nature (0:53)
05: In The Vortex Of Dionysian Reality II (4:30)
06: Evangelium der Weltharmonie (2:46)
07: Perpetual Dawn (4:00)
08: Suicidal Fantasy (Negation Of Myth II) (5:02)
09: Like The Streaming Of A Giant River Life Is Passing Without Ever Turning Around (feat. Monocube) (10:27)

CD im Digisleeve, limitiert auf 200 Exemplare
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